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Nachruf: "Winnie Mandela - Eine gefährliche Frau" The Economist, 7. April 2018

Winnie Madikizela-Mandela, Antiarpartheidaktivistin, die das Soweto- Mafiamatriach verwandelte, starb am 2. April im Alter von 81 Jahren.

Von vorneherein wusste Winnie Mandela, dass diese Partnerschaft ungewöhnlich würde. Das Liebeswerben der beiden, als Nelson in Sportkleidung ankam und sie zum Saal fuhr, nur um ihn schwitzen zu sehen. Sein unerwartet so selbstsicherer Vorschlag nach einem Picknick auf einer weißen Farm, als er sagte, er wüsste eine gute Schneiderin, um ihr ein Hochzeitskleid zu machen. (Er war bereits verheiratet, aber er würde sich darum kümmern.) Sein fortwährendes Losstürmen zu politischen Treffen, so dass das Leben mit ihm ganz eindeutig ein Leben ohne ihn werden würde. Die geheimen Versammlungen, er stark verkleidet in den Jahren seines Landesverratsprozesses. Von seinem Ruhm geblendet und außerdem verrückt nach ihm, spürte sie, dass sie in Gefahr war, ihre Identität zu verlieren und zu einem Anhängsel zu verpuffen. Sie schwor, dass ihr das nie passieren würde.

Dann verschwand er ab 1964, nur sechs Jahre nach ihrer Hochzeit, für fast drei Dekaden im Gefängnis, hauptsächlich auf Robben Island. Sie konnte ihn alle sechs Monate einmal besuchen, ihn aber nicht berühren. Es gab Briefe, aber nicht einmal einfache Erinnerungen daran, zusammen am Tisch zu sitzen und eine Mahlzeit mit ihren Töchtern einzunehmen. Weil sie nie wirklich mit ihm zusammenlebte, fragte sie sich später, ob sie genügend Zeit gehabt hatte, ihn zu lieben. Aber als er den Schauplatz verließ, war sie mehr als bereit, den Kampf gegen Apartheid an seiner Stelle aufzunehmen. Je heftiger sie versuchten, ihn zum Schweigen zu bringen, um so lauter würde sie rufen.

Das fiel ihr leicht. Keine Männer, besonders keine Buren, wollten sie unterwerfen. Aufgewachsen in Pondoland, war sie mit den Jungen barfuß gerannt, machte Stockkämpfe, stellte Tierfallen auf. Sie war an ihrer Schule Schulsprecherin gewesen, war dann die erste qualifizierte und schwarze medizinische Sozialarbeiterin am Baragwanath Krankenhaus in Soweto. Großgewachsen, majestätisch, Eleganz ausstrahlend war sie vorherbestimmt, Nelson ins Auge zu fallen. Und sie sah in Kampfanzügen so wild und fein aus wie in Lederjacken, in denen sie mit der Defiance Campaign marschierte, um die weiße Herrschaft zu beenden. Sie wurde schikaniert, unter Hausarrest gestellt, gefoltert bis sie anschwoll und Blut spukte. Im Jahr 1977 ins interne Exil nach Brandfort geschickt, machte sie den Ort zu einer Kultstätte für die Sache. Die weißen Obersten fanden, dass es keinen Schmerz gab, den sie nicht ertragen konnte und nichts, gar nichts, was sie fürchtete.

Wettkämpfe und Halskrausen.

Ihre Befreiungsideen grassierten weiter, sogar als sich Nelsons Ideen davon geändert hatten. Weder sprach sie mit Weißen, noch verkehrte oder verhandelte sie mit ihnen oder machte mit ihnen Geschäfte. In den Townships, inmitten ihres Volkes, rühmte sie das Blutvergießen und predigte Gewalt. Arme Schwarze hatten vielleicht keine Waffen, aber sie hatten Steine, Streichhölzer und alte Autoreifen, die man mit Benzin füllen und über den Kopf eines Kollaborateurs zwängen und in Brand stecken konnte, Halskrausen aus Feuer. In den 1980er Jahren behielt sie das Sagen in Soweto mit Hilfe des Mandela United Football Clubs, "Winnie's boys", die um ihr Haus herumhingen, um Entführungen und Schlägereien durchzuziehen. Im Jahr 1989 gingen sie zu weit, als sie den 14 Jahre alten Stompie Moeketsi wie einen Fußball herumtraten und seine Kehle mit einer Schere durchschnitten, dann den Arzt erschossen, der ihn untersuchte. Die Gerichte befanden sie schließlich als "fahrlässig". Sie kannte kaum, normalerweise nie ein Bedauern. Um Gottes Willen, war es ihre Verantwortung, jede ihrer Bewegungen zu kontrollieren?

Im nächsten Jahr, als Nelson schließlich aus dem Gefängnis war, wurde sie vorsichtiger. Sie war nur Teil des Kollektivs, des Widerstands, aber sie musste einst im Jahr 1994, als Nelson Präsident war, ihren Platz im Herrscherkreis des Afrikanischen Nationalen Kongresses übernehmen. Von da an war ihre Reaktion auf falsche Anschuldigungen, Dutzende von Betrugsfällen und Diebstählen sowie die Morde die Faust zu erheben, dann zu warten, ob der ANC sich von ihr zurückzog und dann Berufung einzulegen. Sie gewann immer mildere Sätze für die Gerichte und die Partei in der Angst sie zu verärgern und sie konnte verkünden, wie die Menschen sie liebten, obwohl ihre Heirat mit ihrem Helden gescheitert war und sie im Jahr 1996 geschieden wurden. Zurück würde sie zum ANC Exekutivrat und seiner Frauen Liga kehren, in ihrem Stammesschmuck und brillanten Satins strahlend, die Mutter der Nation, besonders der Armen. Für ein ja blieb sie lieber in Soweto als in einen einst weißen Vorort zu ziehen, auch wenn ihr Haus eine mit Multimillionen finanzierte Sache mit sechs Schlafzimmern war, in einem von ihnen würde sie sorgfältige Stunden verbringen, in den sie ihre Morgentoilette perfektionierte.

Das neue Südafrika enttäuschte sie. Kompromisse und Vergebung, Nelsons Weg, hatte zu viele Weiße vom Haken für die Apartheid gelassen und die Wirtschaft in ihren Händen gelassen. Mittlerweile konnte sie den Fraktionalismus und die Respektlosigkeit, die im Parlament und innerhalb des ANC gezeigt wurde, nicht mehr ertragen. Tatsache ist, dass sie selbst im Jahr 1995 von der Regierung wegen Missachtung von Nelsons Befehlen ausgeschlossen wurde und der Aufbruchsbereich weder hier noch da war. Sie konnte machen was sie wollte, wo er betroffen war. Zuversichtlich wie sie immer war,dass "ihre Leute" sie unterstützen würden, strebte sie nach einem höheren Amt - Vizepräsident hatte einen guten Klang - und belehrte die unerfahrenen neuen ANC Männer, Thabo Mbeki und Jakob Zuma, darüber, wie sie sich zu Verhalten hätten. Starke, charismatische, einigende Führer schienen nirgendwo in Sicht zu sein.

Doch sie war da und trug den Namen Mandela. Oft genug hatte sie versucht davon Abstand zu halten. Die Rolle der dekorativen First Lady von Südafrika war für sie ohne Interesse. Sie war nicht Mandelas Produkt, seine sanftmütige Frau. Als er im Gefängnis war, selbst als er draussen war, hatte sie viele Affären mit jüngeren Männern. Aber nach ihrer Scheidung hatte sie den Namen nicht abgelegt, dieser Name, der sie in jedermanns Aufmerksamkeit hielt, und um so mehr als Nelson alterte und in stille verblasste. Stille und Verblassen waren keine Dinge, die er je von ihr erwarten konnte.
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Obituary: Winnie Mandela - A dangerous woman" The Economist, April 7, 2018.
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FROM the very start Winnie Mandela knew this partnership would be bizarre.
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(He was married already, but he would see to that.)
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The secret meetings, he in heavy disguise, in the years of his treason trial.
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She vowed that was never going to happen to her.
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She could visit him once every six months, but not touch.
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The harder they tried to silence him, the louder she would shout.
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That came naturally.
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No men, especially Afrikaners, were going to subjugate her.
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Growing up in Pondoland she had run barefoot with the boys, played stick-fights, set animal traps.
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Tall, regal, exuding elegance, she was bound to catch Nelson’s eye.
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She was harassed, put under house arrest, tortured until she swelled up and passed blood.
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Sent into internal exile to Brandfort in 1977, she made the place a shrine to the cause.
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The white colonels found there was no pain she couldn’t bear and nothing, nothing, she feared.
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Matches and necklaces.
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Her ideas of liberation raged on even when Nelson’s changed.
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She did not speak, or associate, or deal, or do deals, with whites.
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In the townships, among her people, she praised bloodshed and preached violence.
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The courts eventually found her “negligent”.
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She was barely sorry; as a rule, never sorry.
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For God’s sake, was it her responsibility to control their every move?
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By the next year, with Nelson at last out of jail, she became more careful.
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The new South Africa disappointed her.
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She could do as she pleased where he was concerned.
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Strong, charismatic, unifying leaders appeared to be nowhere in sight.
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Yet she was there, and still bore the name Mandela.
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Often enough she had tried to keep her distance from it.
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The role of ornamental First Lady of South Africa held no interest for her.
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She was not Mandela’s product, his meek woman.
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When he was in prison, even when he was out of it, she had plenty of affairs with younger men.
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Silence and fading were not things he could ever have expected from her.
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Obituary: Winnie Mandela - A dangerous woman"

The Economist, April 7, 2018.

Winnie Madikizela-Mandela, anti-apartheid activist turned Soweto mafia matriarch, died on April 2nd, aged 81.

FROM the very start Winnie Mandela knew this partnership would be bizarre. Their courtship, when Nelson would arrive in gym attire and drive her to the hall just to watch him sweat. His sudden so-confident proposal, after a picnic on a white farm, when he said he knew a good seamstress to make her wedding dress. (He was married already, but he would see to that.) His constant dashing off to political meetings, so that life with him was clearly going to be life without him. The secret meetings, he in heavy disguise, in the years of his treason trial. Dazzled by his glamour and also crazy about him, she felt in real danger of losing her identity and fizzling into an appendage. She vowed that was never going to happen to her.

Then from 1964, only six years into their marriage, he disappeared into prison for almost three decades, mostly on Robben Island. She could visit him once every six months, but not touch. There were letters, yet no simple memories of sitting round a table together, eating a meal with their daughters. Since she never really lived with him, she wondered later whether she had had enough time to love him. But when he left the scene she was more than ready to take on the fight against apartheid in his place. The harder they tried to silence him, the louder she would shout.

That came naturally. No men, especially Afrikaners, were going to subjugate her. Growing up in Pondoland she had run barefoot with the boys, played stick-fights, set animal traps. She had been head girl at her school, then the first qualified black medical social worker at Baragwanath Hospital in Soweto. Tall, regal, exuding elegance, she was bound to catch Nelson’s eye. And she looked as fierce and fine in combat fatigues and leather jackets, marching with the Defiance Campaign to end white rule. She was harassed, put under house arrest, tortured until she swelled up and passed blood. Sent into internal exile to Brandfort in 1977, she made the place a shrine to the cause. The white colonels found there was no pain she couldn’t bear and nothing, nothing, she feared.

Matches and necklaces.

Her ideas of liberation raged on even when Nelson’s changed. She did not speak, or associate, or deal, or do deals, with whites. In the townships, among her people, she praised bloodshed and preached violence. Poor blacks might have no guns but they had stones, matches, and old tyres to fill with petrol, jam over a collaborator’s head and set alight, necklaces of fire. In the 1980s she held sway in Soweto with the help of the Mandela United Football Club, “Winnie’s boys”, who hung around her house to carry out kidnappings and beatings. In 1989 they went too far, kicking 14-year-old Stompie Moeketsi around like a football and cutting his throat with shears, then shooting dead the doctor who examined him. The courts eventually found her “negligent”. She was barely sorry; as a rule, never sorry. For God’s sake, was it her responsibility to control their every move?

By the next year, with Nelson at last out of jail, she became more careful. She was only part of the collective, the struggle; but she had to take her place in the ruling circle of the African National Congress once, in 1994, Nelson was president. From then on her reaction to bad raps, dozens of counts of fraud and theft as well as the killings, was to raise a defiant fist, then to wait as the ANC retreated from her, then to appeal. She always won milder sentences, for the courts and the party feared to cross her and she could loudly proclaim how the people loved her, even though her marriage to their hero had foundered and in 1996 they divorced. Back she would sail to the ANC’s executive council and its Women’s League, resplendent in her tribal jewellery and brilliant satins, the mother of the nation, especially the poor. For yes, she had stayed in Soweto rather than move to a once-white suburb—even if her house was a multimillion fortified affair with six bedrooms, in one of which she would spend careful hours perfecting her morning toilette.

The new South Africa disappointed her. Compromise and forgiveness, Nelson’s way, had let too many whites off the hook for apartheid and left the economy in their hands. Meanwhile, she couldn’t bear the factionalism and disrespect shown in Parliament and within the ANC. The fact that she herself was expelled from the government in 1995 for disobeying Nelson’s orders and sowing division was neither here nor there. She could do as she pleased where he was concerned. Confident as she always was that “her people” would support her, she hustled for higher office—deputy president had a good ring to it—and lectured the callow new ANC men, Thabo Mbeki and Jacob Zuma, on how to behave. Strong, charismatic, unifying leaders appeared to be nowhere in sight.

Yet she was there, and still bore the name Mandela. Often enough she had tried to keep her distance from it. The role of ornamental First Lady of South Africa held no interest for her. She was not Mandela’s product, his meek woman. When he was in prison, even when he was out of it, she had plenty of affairs with younger men. But after their divorce she had not dropped the name, that name that kept her in everyone’s eye, and all the more so as Nelson aged and faded into silence. Silence and fading were not things he could ever have expected from her.