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Sind die Franzosen die neuen Optimisten?

von Pamela Druckerman, The New York Times, 22. März 2018

PARIS - Wenn Leute mich zu fragen pflegten, was mir von Amerika fehlte, würde ich sagen:" Der Optimismus." Ich wuchs in einem Land der Hoffnung auf, dann zog ich in eins, dessen Slogans "Es ist nicht möglich" und "Die Hölle, das sind die anderen." sind. Ich ging in Paris herum und fühlte mich auffallend munter.

Aber seit einiger Zeit hatte ich eine Art von emotionalem Schleudertrauma. Frankreich fängt an, wie ein optimistisches, zuversichtliches Land zu scheinen, während Amerikaner weniger sicher sind, dass alles gut wird.

Zynismus hat in Frankreich tiefe Wurzeln. Im 18. Jahrhundert verspottete Voltaire Optimisten für ihre naïveté (Naivität) und feierte Pessimisten für ihre Klarheit. Er ist immer noch Teil des nationalen Lehrplans für französische Achtklässler und der râleur (Griesgram) - der unzufriedene grantige Nörgler -bleibt eine nationale Urform. Wenn man unter Intellektuellen sagt, das alles schlecht läuft " sagt jeder, 'Sieh mal, wie intelligent er ist' "erläuterte Frédéric Lenoir, Autor von "Glück: Ein philosophisches Handbuch". Seit ich hier lebte, haben Umfragen regelmäßig gezeigt, dass Franzosen die Zukunft ihres Landes pessimistischer sehen, als Menschen in Afghanistan und dem Irak.

Die Franzosen sind nicht märchenhaft fröhlich geworden, aber da ist ein schleichendes Gefühl, dass Hoffnung nicht dumm ist und Leben sich tatsächlich verbessern kann. Wie es sich bei einem neuen Präsidenten gehört, gab es einen Optimismusaufschwung, nachdem Emmanuel Macron letztes Jahr gewählt wurde. Aber dieses Mal ist der Optimismus stark geblieben und im Januar erreichte er ein Achtjahreshoch.

Es ist hilfreich, dass Frankreichs Wirtschaft endlich mehr wächst und dass Herr Macron seine Versprechen gehalten hat, ausgehend von der Überarbeitung des Arbeitsrechts bis zu schrumpfenden Gruppenstärken in Kindergärten in benachteiligten Gebieten. Für diejenigen, die immer noch den verlorenen Ruhm Frankreichs als Weltmacht beklagen, hat er die rhetorische Führung bei den Themen Klimawandel und Europäische Union übernommen. Und sie fühlen sich im Vergleich dazu glücklich, wenn sie sehen, wie Großbritannien mit dem Brexit von Deck marschiert, und über amerikanische Kinder lesen, die in der Schule getötet werden. Die Wähler beklagen hier immer noch Missstände und viele haben Vorbehalte. Aber im französischen Kontext ist das praktisch Euphorie.

"Das Frankreich der Optimisten hat gewonnen und zieht den anderen Teil Frankreichs auf seine Seite", sagte Claudia Senik, eine Wirtschaftswissenschaftlerin, die das "Observatoire du bien-être" (etwa "Beobachtungsstelle für das Wohlbefinden") leitet, eine dortige akademische Denkfabrik.

Die Franzosen haben sogar ein intellektuelles Interesse an dieser abwegigen Idee. Es gibt Optimismusklubs, Konferenzen und Schulprogramme, Wissenschaftler der Positivität und Bücher wie "50+1 Gute Gründe, sich für Optimismus zu entscheiden". Im September war Herr Macron Schirmherr des Global Positive Forum, einer Studiengruppe von "positiven Initiativen" in Wirtschaft und Politik. ("Morgen kann besser sein als heute", behauptet die Website des Forums.)

Es ist immer noch eine heikle Sache. Eine Fernsehdokumentation im letzten Herbst begleitete eine Pariserin, die versuchte, sich eine positive Lebenseinstellung anzueignen, als würde sie eine Fremdsprache lernen. "Es scheint, als wäre es eine Fähigkeit, ein Stoff, den man lernt", wunderte sie sich.

Aber man kann jetzt mit "träum-den-unmöglichen-Traum-Rhetorik" durchkommen, die einst als amerikanisches Psychogeschwätz verschmäht wurde. "Von dem Zeitpunkt an, an dem Sie Macron berichten, dass etwas nicht möglich ist, hat er die Neigung zu glauben, dass es möglich ist", schwärmt ein Sprecher des Präsidenten.

Inzwischen ist die nationale Stimmung Amerikas in die entgegengesetzte Richtung gewechselt. Bevor Donald Trump sein Amt antrat, war der Optimismus über seine Präsidentschaft der niedrigste bei allen gewählten Präsidenten seit mindestens den 1970er Jahren. Wir sind immer noch zuversichtlich bezüglich der Wirtschaft, aber gerade 27 Prozent der Amerikaner sind zuversichtlich, dass wir "generell in die richtige Richtung gehen", laut einer Umfrage von Economist/YouGov.

Optimismus - auch, und vielleicht besonders angesichts der Schwierigkeiten - war seit Langem ein amerikanisches Markenzeichen. "Was die amerikanische Öffentlichkeit möchte, ist eine Tragödie mit einem Happy End", hat der Romancier William Dean Howells angeblich gesagt.

Es ist ein Schock zu begreifen, dass wir unser Happy End nicht so bald bekommen werden. Ich fühle es von jenseits des Ozeans. Freunde aus der High School sammelten kürzlich Geld für die Arztrechnungen eines Klassenkameraden mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei einem Videoanruf am nächsten Tag, weinte mein Vater - ein leidenschaftlicher Patriot, der während des Zweiten Weltkrieges aufgewachsen ist und sich nie sehr für Politk interessiert hat - plötzlich über die Zukunft Amerikas.

Natürlich gibt es viele Arten von amerikanischem Optimismus. Nicht alle sind dem Untergang geweiht.

Es gibt den amerikanischen Traum, der behauptet, dass du alles erreichen kannst, was du willst, wenn du hart genug arbeitest (und seine New-Age-Variante, wonach du es nur visualisieren musst). Aber wenn es um den Status von Immigranten geht und es schwieriger wird, in eine höhere Einkommensstufe zu wechseln, ist es schwierig, Argumente für diese Theorie zu finden.

Es gibt die Idee von der amerikanischen Einzigartigkeit, dass wir besonders gesegnet und vom Schicksal bestimmt sind, erfolgreich zu sein, sodass unsere Probleme zwangsläufig gelöst werden. Bei dem Rückstand Amerikas zu anderen reichen Ländern in den Bereichen von Gesundheitssystem bis High-School-Leistungsstand findet man dafür auch keine Belege.

Die einzige Form von amerikanischem Optimismus, die noch glaubwürdig ist, das ist die Art, wie sie von den Studenten, der High-School in Parkland, Florida, kommt. Es ist ein planvoller, beharrlicher und scharfsichtiger Optimismus, in der Tradition von Reverand Dr. Martin Luther King Jr. Er erkennt an, dass etwas schrecklich im Argen liegt. Und in bester amerikanischer Tradition jammern diese Kinder nicht nur - und andere wie sie auch nicht. Sie sind entschlossen, es zu beheben.

Das ist es, was ich am meisten vermisse.

Pamela Druckerman ist die Autorin des in Kürze erscheinenden "There Are No Grown-Ups: A Midlife Coming-of-Age Story" (Es gibt keine Erwachsenen: ein Erwachsenwerden in der Mitte des Lebens) und eine bedeutende Schrifstellerin im Bereich der Meinungsbildung.

https://www.nytimes.com/2018/03/22/opinion/france-optimism-macron.html
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But lately I’ve had a kind of emotional whiplash.
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Cynicism has deep roots in France.
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But this time, optimism has remained strong, and in January it hit an eight-year high.
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Voters here still have grievances, and many are reserving judgment.
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But in the French context, that’s practically euphoria.
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The French are even taking an intellectual interest in this alien idea.
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(“Tomorrow can be better than today,” the forum’s website insists.)
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It’s still an awkward fit.
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“It seems like it’s a skill, a discipline that one learns,” she marveled.
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Meanwhile America’s national mood has drifted in the opposite direction.
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It’s a shock to realize that we might not get our happy ending anytime soon.
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Of course, there are many varieties of American optimism.
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Not all are doomed.
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Dr. Martin Luther King Jr.
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It acknowledges that something is terribly wrong.
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They’re determined to fix it.
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That’s what I miss most.
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Are the French the New Optimists?

By Pamela Druckerman, The New York Times, March 22, 2018.

PARIS — When people used to ask me what I missed about America, I would say, “The optimism.” I grew up in the land of hope, then moved to one whose catchphrases are “It’s not possible” and “Hell is other people.” I walked around Paris feeling conspicuously chipper.

But lately I’ve had a kind of emotional whiplash. France is starting to seem like an upbeat, can-do country, while Americans are less sure that everything will be O.K.

Cynicism has deep roots in France. In the 18th century, Voltaire mocked optimists for their naïveté and celebrated pessimists for their lucidity. He’s still part of the national curriculum for French eighth-graders, and the râleur — the dissatisfied, grumpy whiner — remains a national archetype. Among intellectuals, if you say that everything is going badly, “everyone says, ‘Look how intelligent he is,’” explained Frédéric Lenoir, author of “Happiness: A Philosopher’s Guide.” Since I’ve lived here, polls have regularly shown that the French are more pessimistic about their country’s future than people in Afghanistan and Iraq.

The French haven’t become magically cheerful, but there’s a creeping sense that hope isn’t idiotic, and life can actually improve. As is common with a new president, there was a jump in optimism after Emmanuel Macron was elected last year. But this time, optimism has remained strong, and in January it hit an eight-year high.

It helps that France’s economy is finally growing more and that Mr. Macron has made good on promises ranging from overhauling the labor laws to shrinking class sizes at kindergartens in disadvantaged areas. For those still mourning France’s lost glory as a global power, he has taken the rhetorical lead on climate change and the European Union. And they feel lucky by comparison, as they watch Britain march off a plank with Brexit, and read about American children being killed at school. Voters here still have grievances, and many are reserving judgment. But in the French context, that’s practically euphoria.

“The France of the optimists has won, and is dragging the other part of France toward its own side,” said Claudia Senik, an economist who heads the Well-Being Observatory, an academic think tank here.

The French are even taking an intellectual interest in this alien idea. There are optimism clubs, conferences and school programs, scholars of positivity and books like “50+1 Good Reasons to Choose Optimism.” In September Mr. Macron was a patron of the Global Positive Forum, a study group of “positive initiatives” in business and government. (“Tomorrow can be better than today,” the forum’s website insists.)

It’s still an awkward fit. A TV documentary last fall followed a Parisienne as she tried to adopt a positive outlook, as if she was learning a foreign language. “It seems like it’s a skill, a discipline that one learns,” she marveled.

But you can now get away with dream-the-impossible-dream rhetoric, once disdained as American psychobabble. “From the moment you tell Macron that something isn’t possible, he has a tendency to consider that it is,” a presidential spokesman gushed.

Meanwhile America’s national mood has drifted in the opposite direction. Before Donald Trump took office, optimism about his presidency was the lowest of any president-elect since at least the 1970s. We’re still upbeat about the economy, but just 27 percent of Americans are confident that we’re “generally headed in the right direction,” according to an Economist/YouGov poll.

Optimism — even, and perhaps especially in the face of difficulty — has long been an American hallmark. “What the American public wants is a tragedy with a happy ending,” the novelist William Dean Howells supposedly said.

It’s a shock to realize that we might not get our happy ending anytime soon. I feel this from across the ocean. High school friends recently took up a collection to pay the medical bills of a classmate with pancreatic cancer. On a video call the other day, my father — an ardent patriot who grew up during World War II, and was never very interested in politics — suddenly wept about America’s future.

Of course, there are many varieties of American optimism. Not all are doomed.

There’s the American dream, which holds that you can achieve whatever you want by working hard enough (and its new-age variant, in which you merely have to visualize it). But when the state is going after immigrants, and it’s become tougher to move to a higher earnings bracket, it’s hard to make a case for this theory.

There’s the idea of American exceptionalism — that we’re uniquely blessed and fated to succeed, so our problems must inevitably be fixed. With America lagging other rich countries in realms from health care to high school test scores, it’s difficult to make a case for this, either.

The one form of American optimism that’s still credible is the kind that’s coming from the high school students in Parkland, Fla. It’s a tactical, tenacious, cleareyed optimism, in the tradition of the Rev. Dr. Martin Luther King Jr. It acknowledges that something is terribly wrong. And in the best part of the American tradition, these kids — and others like them — aren’t just whining. They’re determined to fix it.

That’s what I miss most.

Pamela Druckerman is the author of the forthcoming “There Are No Grown-Ups: A Midlife Coming-of-Age Story” and a contributing opinion writer.

https://www.nytimes.com/2018/03/22/opinion/france-optimism-macron.html