en-de  What the German language reveals about attitudes to work Medium
Was die deutsche Sprache über die Einstellung zur Arbeit enthüllt.

Kleine Redewendungen verbinden deutsche Arbeiter miteinander und erinnern sie an die Wichtigkeit ihrer freien Zeit, schreibt Joseph Pearson.

Von Joseph Pearson, BBC.com, 23. Oktober 2017. http://www.bbc.com/capital/story/20171022-what-the-german-language-reveals-about-attitudes-to-work?ocid=ww.social.link.email.

Für einen Ausländer kann es verwirrend sein, Zeit in einem deutschen Büro zu verbringen. Die Mitarbeiter begrüßen einander - oft mit Singsangstimmen - mit dem Wort "Mahlzeit!" anstatt von Hallo. Es ist erst 11.00 Uhr. Was haben sie missverstanden?

"Mahlzeit" hat viele Bedeutungen. Mahlzeit kann ironisch sein, kann die Hierarchie zeigen, lustig oder ernsthaft sein.

In Deutschland ist das Wort Mahlzeit ( Mall-zayt; eine Zusammensetzung des deutschen Wortes für 'Mahl' und für 'Zeit') ein Standard, trotzdem eine verblüffende Begrüßung am Arbeitsplatz. Und da Sprache Erlebniswelten schafft, kann die Verbreitung der Mahlzeit auch eine Menge über die deutsche Arbeitskultur offenbaren.

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass in Deutschland, Europas größte Wirtschaft, sich alles um Arbeit dreht. Sie haben eines der stärksten Produktionsniveaus in der Welt mit ein Arbeitslosenrate auf dem Rekordtief von 4,1 %.

Dieses Jahr berichtete der Internationale Währungsfond (IWF), dass Deutschlands "Beschäftigungswachstum stark ...das Wachstum oberhalb des Potentials ist und die Haushaltslage gefestigt bleibt." Aber die Deutschen passen nicht eindeutig in das Klischee des rigiden oder roboterhaften Arbeitswütigen. Stattdessen nehmen sich Deutsche mehr frei als irgendwo anders in Europa, wenn man den Jahresurlaub und die gesetzlichen Feiertage zählt.

Die deutsche Sprache am Arbeitsplatz hilft uns, dieses merkwürdige Gleichgewicht von Arbeit und Spiel zu verstehen. Ungeachtet der berühmten deutschen Arbeitsethik enthüllt "Mahlzeit" zusammen mit einer Anzahl anderer populärer, an deutschen Arbeitsplätzen benutzter Wörter, eine überraschend entspannte Einstellung zur Arbeit. Da sind die "Brückentage", die man rund um gesetzliche Feiertage freinimmt. Dann gibt es die geläufigen Ausdrücke wie "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!".

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - die Zusammensetzung aus den deutschen Wörtern "Arbeit", "Unfähigkeit" und "Bescheinigung" - ist eine nützliche Formulierung, durch die man ohne Nachfragen einen Krankheitstag frei bekommen kann. Es ist ein aufschlussreicher Einblick in dieses deutsche Verhalten, sich frei zu nehmen, gemäß Ulrich Jürgens, der am Berliner Sozialwissenschaftlichen Zentrum die Organisation von Arbeitsplätzen und Unternehmensführung erforscht.

"Es gibt ein starkes Gefühl dafür, dass zum Beispiel, wann immer man sich krank fühlt, man zu Hause bleiben sollte", sagt er. "Es ist Ihr Recht. Niemand würde das je kritisieren. Wenn man krank ist, ist man krank. Es ist eine Haltung, die Arbeitnehmer in anderen Kulturen jetzt befremdlich finden könnten. An vielen Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten und anderswo in Europa, wo viele Angestellte versuchen, ihre Krankheit am Arbeitsplatz zu bekämpfen, ist es inzwischen im Wesentlichen verpönt, Tage wegen Krankheit freizunehmen. Inzwischen nehmen die Deutschen doppelt so viele Krankheitstage pro Jahr wie britische Arbeiter.

Mittagspausen.

Die Rolle des Grußes Mahlzeit an deutschen Arbeitsplätzen ist jedoch schwerer zu entschlüsseln. "Seit dreißig Jahren unterrichtet Martina Schäfer Wirtschaftsdeutsch am Goethe-Institut in Berlin. Sie sagt, der Gruß Mahlzeit verwirrt ihre Studenten.

Man kann nicht unbedingt davon ausgehen, dass "Mahlzeit" morgen als Grußwort verwendet wird, weil "Mahlzeit" viele gedankliche Verknüpfungen hat", sagt sie "(Es) kann ironisch sein, kann die Hierarchie offenlegen, lustig oder ernst sein." Der Ausdruck taucht sogar in den Geschichten der Brüder Grimm auf, aber es ist schwierig, es in seinem modernen Kontext zu übersetzen, da es immer nur bei der Arbeit benutzt wird, nie zu Hause. Man würde es, zum Beispiel, nicht an einem Samstag zu seinem Partner sagen. Und es kann verwendet werden, um alles mögliche auszudrücken, von die Schnauze voll haben, bis zur Reaktion, wenn jemand rülpst.

Aber obwohl Neulinge Mühe haben könnten, zur richtigen Zeit das Wort Mahlzeit zu benutzen, können sie schnell erkennen, warum Mahlzeit solch ein weit verbreitetes Wort im deutschen Arbeitsplatz ist.

"Der Vorgang, zusammen zum Mittagessen zu gehen, ist noch extrem wichtig in Deutschland", sagt Markus, ein mittlerer Manager im Hauptsitz von Volkswagen in Wolfsburg, der seinen Nachnamen nicht verwenden wollte. "Eine Besprechung zwischen 12:00 und 13:00 Uhr anzuberaumen, ist eine totsichere Methode, dass die Mitarbeiter auf Sie sauer sein werden. ... Selbst wenn sie für ihre Mittagspausen bezahlt werden, mischen Sie sich in deren inoffizielle Freizeit ein. ... Und Deutschen liegt ihre freie Zeit am Herzen." Deutsche Arbeitnehmer benutzen auch oft "Mahlzeit", um ihr Gemeinschaftsgefühl zu zeigen, und es hat eine besondere Bedeutung in der Arbeiterschicht. Es erinnert sie an die Wichtigkeit ihrer freien Zeit und die Notwendigkeit sie vor übereifrigen Chefs zu schützen, weil deutsche Arbeitsplätze oft von einer "Tagesordnungskultur" oder "Agenda-Kultur" beherrscht sind, wo alles exakt geplant ist.

U-Bahn Getränke.

Ein anderer beliebter Abschied am Ende des Tages an deutschen Arbeitsplätzen ist "Schönen Feierabend!", was eine Zusammensetzung der Wörter für "Feier" und "Abend" ist. Er markiert wie "Mahlzeit" einen klaren Bruch zwischen Arbeit und Freizeit.

Markus sagt, obwohl die Deutschen oft als fleißig und arbeitsam stereotypiert werden, spiegelt das nicht das Gesamtbild wider. "Daher ist der Feierabend wichtig", sagt er. "Und es gibt dieses tolle Wort – Feierabendbier (das heißt, 'Feier' und 'Abend' und 'Bier'). Es ist ein Wort, im Ernst. Das ist, was Sie auf dem Weg von der Arbeit in der U-Bahn trinken. Oder wenn Sie heimkommen. Sie haben das Feierabendbier raus. Es ist eine Institution:"Natürlich gibt es viele Arbeiter in Deutschland, die lange Arbeitszeiten haben und das Mittagessen ausfallen lassen, aber es gibt eine bleibende grundsätzliche Einstellung zur Aufrechterhaltung einer klaren Trennung zwischen Arbeit und sozialem Leben, die sich in die Arbeitssprache hineinschleicht.

Die Daten zeigen eine Diskrepanz zwischen der Meinung der Deutschen über ihre Arbeit und ihrem Leben im Allgemeinen. Eurostat berichtet, dass die Deutschen zu den am wenigsten zufriedenen Arbeitnehmern in Europa gehören. Ein ganzes Viertel - ähnlich wie in Großbritannien - ist mit ihrem Job unzufrieden, verglichen mit gerade mal 5% in den Niederlanden. Andererseits gehören die Deutschen zu den Menschen mit der höchsten Lebenszufriedenheit.

Viele Analytiker kratzen sich an den Kopf über dieses Rätsel: es gibt gewöhnlich eine Korrelation zwischen diesen zwei Datensätzen. Vielleicht müssen sie einfach gründlicher darüber nachdenken, um wieviel wichtiger Deutschen der Begriff "Mahlzeit" und die Institution des "Feierabendbiers" ist. ...
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What the German language reveals about attitudes to work.
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Spending time in a German office can be confusing for a foreigner.
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It’s only 11am.
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What have you misunderstood?
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Mahlzeit has many connotations.
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Mahlzeit can be ironic, can reveal hierarchy, be funny, or serious.
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You could be forgiven for thinking that Germany, Europe’s largest economy, is all about work.
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But Germans don’t fall neatly into the stereotype of rigid or robotic workaholics.
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German workplace language helps us understand this curious balance of work and play.
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There are the Brückentage, or ‘bridge days’, that you take off around bank holidays.
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"It’s your right.
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There would never be a critique of this.
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When you are sick, you are sick.
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Meanwhile, the Germans take twice as many as many sick days per year as UK workers.
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Lunch breaks.
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The role of Mahlzeit in German workplaces, however, is harder to decipher.
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She says the concept of Mahlzeit confuses her students.
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You wouldn’t say it to your partner on a Saturday, for instance.
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Subway drinks.
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Like Mahlzeit it too marks a clean break between work and play.
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“That’s why the Feierabend is important," he says.
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It's one word, no kidding.
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This is what you drink from work on the subway.
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Or when you get home.
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Data show a mismatch between how Germans feel about their jobs and their life in general.
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Eurostat reports that Germans are some of the least satisfied workers in Europe.
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On the other hand, Germans have among the highest levels of life satisfaction.
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What the German language reveals about attitudes to work.

Small expressions bind German workers together and remind them of the importance of their free time, writes Joseph Pearson.

By Joseph Pearson, BBC.com, 23 October 2017.

http://www.bbc.com/capital/story/20171022-what-the-german-language-reveals-about-attitudes-to-work?ocid=ww.social.link.email.

Spending time in a German office can be confusing for a foreigner. The staff greet each other – often in sing-song voices – with the word “lunchtime!” instead of hello. It’s only 11am. What have you misunderstood?

Mahlzeit has many connotations. Mahlzeit can be ironic, can reveal hierarchy, be funny, or serious.

In Germany, the word Mahlzeit (Mall-zayt; a composite of the German words for ‘meal’ and ‘time’) is a standard, yet baffling workplace greeting. And since language creates worlds, the proliferation of Mahlzeit can also reveal a great deal about German working culture.

You could be forgiven for thinking that Germany, Europe’s largest economy, is all about work. They have some of the highest levels of productivity in the world, with unemployment rates at a record low of just 4.1%.

This year, the International Monetary Fund (IMF) reported that Germany’s “employment growth is strong… growth is above potential, and the fiscal position keeps strengthening”. But Germans don’t fall neatly into the stereotype of rigid or robotic workaholics. Instead, Germans take more days off than anywhere else in Europe, when one counts annual leave and official holidays.

German workplace language helps us understand this curious balance of work and play. Despite the famous German work ethic, Mahlzeit, along with a number of other popular words used in German workplaces, uncover a surprisingly relaxed approach to work. There are the Brückentage, or ‘bridge days’, that you take off around bank holidays. Then there are common expressions, such as ‘Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!’ - which translates as ‘first work, then pleasure’.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, the composite of the German words for ‘work’ and ‘inability’ and ‘certificate’, is a useful expression that can get you a sick day off, no questions asked. It is a revealing insight into this German attitude to taking leave, according to Ulrich Juergens, who researches workplace organisation and corporate governance at the Berlin Social Science Centre.

“There is a strong feeling, for example, that whenever you feel sick, you should stay at home," he says. "It’s your right. There would never be a critique of this. When you are sick, you are sick. ‘Wenn man krank ist, ist man krank.’”

It is an attitude that workers in other cultures now may find alien. In many workplaces in the US, the UK and elsewhere in Europe, taking days off sick has become frowned upon to the point where many employees will attempt to struggle through their illness in the office. Meanwhile, the Germans take twice as many as many sick days per year as UK workers.

Lunch breaks.

The role of Mahlzeit in German workplaces, however, is harder to decipher. Martina Schäfer has been teaching German for business at the Goethe Institute in Berlin for thirty years. She says the concept of Mahlzeit confuses her students.

“You can’t necessarily anticipate that tomorrow Mahlzeit will be used as a greeting because Mahlzeit has many connotations," she says. "(It) can be ironic, can reveal hierarchy, be funny, or serious.”

The expression even pops up in The Brothers Grimm stories but it’s difficult to translate in its modern context because it’s only ever used at work, never at home. You wouldn’t say it to your partner on a Saturday, for instance. And it can be used to express anything from being fed up, to using it as a response when someone burps.

But while a newcomer may struggle to use it at the appropriate time, they can quickly pick up why Mahlzeit it is such a pervasive word in the German workplace.

“The act of going to lunch together is still extremely important in Germany,” says Markus, a middle manager in Volkswagen’s central headquarters in Wolfsburg who didn’t want to use his last name. “If you put a meeting in between 12 and 1 pm, it’s a sure-fire way to get the staff annoyed with you. You are imposing unofficially on their free-time, even if they are getting paid for their lunch hours. And Germans care about their free time.”

German workers also often use Mahlzeit as a form of solidarity and it has a distinctively working-class connotation. It reminds them of the importance of their free time, and the need to protect it from overzealous bosses as German workplaces are often dominated by a ‘Tagesordnung’ culture, or ‘agenda’ culture, where everything is minutely scheduled.

Subway drinks.

Another popular farewell at the end of the day in the German workplace is Schoenen Feierabend!, which is a composite of the words for ‘party’ and ‘evening’. Like Mahlzeit it too marks a clean break between work and play.

Markus says while Germans are often stereotyped as hardworking and industrious, this doesn’t reflect the whole picture. “That’s why the Feierabend is important," he says. "And there is this great word – Feierabendbier (meaning ‘party’ and ‘evening’ and ‘beer’). It's one word, no kidding. This is what you drink from work on the subway. Or when you get home. You have the Feierabendbier out. It’s an institution.”

Of course, there are many workers in Germany doing long hours and skipping lunch, but there is a persistent general attitude to maintaining distinct separation between work and social life that sneaks out in workplace language.

Data show a mismatch between how Germans feel about their jobs and their life in general. Eurostat reports that Germans are some of the least satisfied workers in Europe. A full quarter – similar to the UK – are unhappy in their job, compared to just 5% in the Netherlands. On the other hand, Germans have among the highest levels of life satisfaction.

Many analysts scratch their heads over this puzzle: there’s usually a correlation between these two data sets. Perhaps they simply need to reflect more deeply on how much more importance is placed by Germans on Mahlzeit and that institutional Feierabendbier.