en-de  John McCain leaves the stage when we need him most Medium
John McCain verlässt die Bühne, wenn wir ihn am meisten brauchen.

Max Boot, The Washington Post, 25. August 2018.

Abraham Lincoln sagte: "Charakter ist wie ein Baum und der gute Ruf wie sein Schatten. Der Schatten ist das, was wir davon halten, der Baum ist die reale Sache." Senator John McCain ( R.-Arizona) war die reale Sache und deshalb wird seine Reputation auf Jahre hinaus einen so langen Schatten auf die Politik werfen.

McCain war die seltene Berühmtheit, die persönlich sogar noch beeindruckender war als im Fernsehen. Ich traf ihn zum ersten Mal 2002 nach der Veröffentlichung meines Buches "The Savage Wars of Peace: Small Wars and the Rise of American Power" ( Die wilden Kriege des Friedens: Kleine Kriege und der Aufstieg der amerikanischen Macht). Als begeisterter Geschichtsstudent las McCain das Buch und mochte es, vor allem, weil es ohne mein Wissen einen seiner Vorfahren darstellte- einen Armeeoffizier, der 1916 gegen die mexikanische revolutionäre Pancho Villa gekämpft hatte. Seine Literaturliebe war keine Schau. Ich erinnere mich an einen Flug zur Münchner Sicherheitskonferenz, als ich zum vorderen Teil des Luftwaffenprivatjets schlenderte, um dort McCain vertieft in einen umfangreichen historischen Wälzer zu finden. Stellen Sie sich vor - ein Politiker, der seine knapp bemessene Zeit damit verbringt, Geschichte zu lesen. Oder irgendetwas anderes.

McCains Lerneifer war vielleicht nicht Teil seiner öffentlichen Persönlichkeit, aber Respektlosigkeit war es sicherlich. Er war mit einem ätzendem Witz gesegnet, einem Sinn für Ironie und einer gesunden Dosis Selbsterkenntnis. Infolgedessen war er frei von der üblichen Sünde eines Politikers, der eines langweiligen Gesprächspartners mit nicht verwendeten Schnipseln aus Wahlreden. Ein großer Teil seines politischen Reizes lag in seiner Fähigkeit, nicht wie ein Politiker zu klingen- vielleicht das Einzige, was er und Präsident Trump gemeinsam haben. Anders als Trump jedoch begründete McCain seine Authenzität nicht durch ignorante oder geistesgestörte Aussagen. Mc Cain konnte politisch inkorrekt sein ( ich erinnere mich, wie sehr er lachte, als er auf einem Flug "Borat" schaute), aber er war nie unmenschlich oder engstirnig. Er war, wie Ronald Reagan, ein Idealist, der daran glaubte, die Wähler zu inspirieren, anstatt sie zu spalten.

Die Mitarbeit an der McCain Kampagne 2008 als Außenpolitikberater war der einfachste Job, den ich je hatte, weil McCain so viel wie alle anderen über die Außenpolitik in Washington wusste. Er reiste unaufhörlich, um sich um Amerikas Allianzen zu kümmern. Er war unerschütterlich in seiner Überzeugung, dass Amerikas Mission darin bestand, die Demokratie zu verteidigen und sich dem Despotismus zu widersetzen. Jeder US-Präsident hat sich seit dem Aufstieg Wladimir Putins im Jahr 1999 naiven Träumereien über die Zusammenarbeit mit dem russischen Machthaber hingegeben. McCain hatte nie solche Illusionen. Wie er später sagte: "Ich schaute in Mr. Putins Augen und sah drei Buchstaben- ein K , ein G und ein B." McCain hatte natürlich nicht immer recht. Wer hat das schon? Er wurde angeprangert, weil er ein eifriger Befürworter des Irak-Krieges war - eine Haltung, die er, wie viele von uns, später bedauerte. Aber er sollte nicht nur wegen seines falschen Eintretens für die Invasion in Erinnerung bleiben, sondern wegen seiner mutigen und einsamen Unterstützung einer erheblichen Aufstockung der Truppen im Irak 2007, zu einer Zeit, als er in den Vorbereitungen für die Wahl zum Präsidenten war und andere Unterstützer des Krieges, wie Hillary Clinton, pazifistisch geworden waren. McCain wurde bestätigt, als die Truppenaufstockung zu einer neunzigprozentigen Verringerung der Gewalt führte. Wenn Präsident Barack Obama nur auf ihn gehört hätte, als McCain 2011 vor dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak warnte - ein Fehler der zum Aufstieg des 'Islamischen States' führte.

Mehr als die meisten Politiker vertrat McCain natürlich nicht einfach eine Sammlung politischer Positionen - geschweige denn durch Umfragen getestete Positionen. Obwohl ein wahrer Konservativer, konnte er gegen die republikanische Orthodoxie verstoßen, in Fragen von seiner Unterstützung für Wahlkampffinanzierungen und Einwanderungsreformen bis zu seiner Abstimmung im letzten Jahr gegen die Abschaffung von Obamacare.

McCain wird vor allem wegen seines Charakters und seiner Courage in Erinnerung bleiben. Während andere privilegierte junge Männer Krankheiten wie "Knochensporen" entdeckten, um dem Vietnamkrieg zu entgehen, bat McCain um einen Kampfauftrag und verbrachte mehr als fünf höllische Jahre im Kriegsgefangenenlager " Hanoi Hilton". Als Sohn eines Admirals hätte er seine vorzeitige Entlassung erlangen können, aber er verweigerte das Angebot seiner Geiselnehmer, weil er den Kriegsgefangenencode 'Zuerst drinnen , zuerst draußen' anerkannte. Jahre später zeigte er die charakteristische Größe seines Geistes, indem er sich für die Versöhnung mit seinen Folterknechten einsetzte.

McCains Unterstützung für die Normalisierung von Beziehungen mit Hanoi war nur ein Beispiel des Charakters, dass er nicht nur als Kriegsgefangener aber auch als Politiker anzeigte. In 2008, besserte er eine Frau bei einer Kundgebung aus, die ihn sagte, "Ich kann Obama nicht vertrauen. Ich habe über ihn gelesen und . . . er ist ein Araber." "Nein gnä' Frau," antwortete McCain. "Er ist ein anständiger Familienvater, ein Bürger, mit dem ich zufällig gerade in grundsätzlichen Fragen nicht einer Meinung bin, und das ist alles, worum es in diesem Wahlkampf geht." Wie leicht wäre es für McCain gewesen, in Verschwörungstheorien und Demagogie zu verfallen. Aber er lehnte es ab - und seine Ablehnung, zusammen mit seinen eigenen Fehlern (vor allem die Auswahl von Sarah Palin als seine Kandidatin für die Vizepräsidentschaft) mag ihn die Präsidentschaft gekostet haben.

McCains Dahinscheiden, tragisch zu jeder Zeit, ist jetzt um so trauriger. Sein Engagement für Amerikas weltweiten Führungsanspruch, sein Eintreten für die Menschenrechte, seine unerschütterliche Opposition gegen Despoten, seine Hingabe an die Überparteilichkeit und Bereitschaft mit seiner eigenen Partei zu brechen, sein Beharren darauf, das Interesse der Nation über das Eigeninteresse zu stellen und vor allem sein nicht wankendes Rechtsempfinden - alles das wird zu einer Zeit dringend benötigt, da seine Partei einen amoralischen, narzisstischen Demagogen umarmt hat, der für Tyrannen schleimt und mit Isolationismus und Protektionismus und weißem Nationalismus flirtet. Trump hasste McCain und beleidigte ihn bei jeder Gelegenheit, weil McCain alles war, was Trump nicht ist - und alles, was wir heute in unserer Politik brauchen aber tragischerweise missen.
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John McCain leaves the stage when we need him most.
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Max Boot, The Washington Post, August 25, 2018.
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Abraham Lincoln said, “Character is like a tree and reputation like its shadow.
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McCain was the rare celebrity who was even more impressive in person than on television.
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His love of literature was not for show.
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Imagine that — a politician who spent his spare time reading history.
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Or anything at all.
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McCain’s studiousness may not have been part of his public persona, but irreverence certainly was.
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He was blessed with a caustic wit, a sense of irony and a healthy dose of self-awareness.
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He was, like Ronald Reagan, an idealist who believed in inspiring, rather than dividing, voters.
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He traveled incessantly to tend to America’s alliances.
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McCain never had any such illusions.
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Who is?
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McCain was vindicated when the surge led to a 90 percent reduction in violence.
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McCain will be remembered, above all, for his character and courage.
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In 2008, he corrected a woman at a rally who told him, “I can’t trust Obama.
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I have read about him and .
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he’s an Arab.” “No ma’am,” McCain replied.
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McCain’s passing, tragic at any time, is all the sadder now.
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John McCain leaves the stage when we need him most.

Max Boot, The Washington Post, August 25, 2018.

Abraham Lincoln said, “Character is like a tree and reputation like its shadow. The shadow is what we think of it; the tree is the real thing.” Sen. John McCain (R-Ariz.) was the real thing, and that is why his reputation will cast such a long shadow over our politics for years to come.

McCain was the rare celebrity who was even more impressive in person than on television. I first met him after the publication of my 2002 book, “The Savage Wars of Peace: Small Wars and the Rise of American Power.” An avid student of history, McCain read the book and liked it, especially because, unbeknownst to me, it featured one of his ancestors — an army officer who had fought the Mexican revolutionary Pancho Villa in 1916. His love of literature was not for show. I remember on a flight to the Munich Security Conference wandering to the front of the Air Force executive jet to find McCain engrossed in a lengthy historical tome. Imagine that — a politician who spent his spare time reading history. Or anything at all.

McCain’s studiousness may not have been part of his public persona, but irreverence certainly was. He was blessed with a caustic wit, a sense of irony and a healthy dose of self-awareness. As a result, he was free of the politician’s usual sin of boring interlocutors with stump speech outtakes. A good deal of his political appeal lay in his ability to avoid sounding like a politician — perhaps the only thing he and President Trump have in common. Unlike Trump, however, McCain did not establish his authenticity with ignorant or deranged statements. McCain could be politically incorrect (I remember how hard he laughed watching “Borat” on one flight) but he was never cruel or bigoted. He was, like Ronald Reagan, an idealist who believed in inspiring, rather than dividing, voters.

Working on McCain’s 2008 campaign as a foreign policy adviser was the easiest job I ever had, because McCain knew as much about foreign policy as anyone in Washington. He traveled incessantly to tend to America’s alliances. He was unshakeable in his conviction that America’s mission was to champion democracy and oppose despotism. Every U.S. president since the rise of Vladimir Putin in 1999 has engaged in naive reverie about working with the Russian strongman. McCain never had any such illusions. As he later said, “I looked in Mr. Putin’s eyes and I saw three letters—a K, a G and B.”

McCain wasn’t always right, of course. Who is? He was pilloried for being an avid supporter of the Iraq War — a stance that he, like many of us, came to regret. But he should be remembered not just for his misguided advocacy of the invasion but for his brave and lonely support of the Iraq surge in 2007 at a time when he was preparing to seek the presidency and other supporters of the war, such as Hillary Clinton, had turned dovish. McCain was vindicated when the surge led to a 90 percent reduction in violence. If only President Barack Obama had listened when McCain warned against pulling U.S. troops out of Iraq in 2011 — a mistake that led to the rise of the Islamic State.

More than most politicians, of course, McCain was not simply a collection of policy positions — much less of poll-tested positions. Although a true conservative, he could transgress Republican orthodoxy on issues ranging from his support for campaign-finance limitations and immigration reform to his vote last year against repealing Obamacare.

McCain will be remembered, above all, for his character and courage. While other privileged young men were discovering ailments such as “bone spurs” to avoid the Vietnam War, McCain requested a combat assignment and spent more than five hellish years in the “Hanoi Hilton” POW camp. As the son of an admiral, McCain could have won early release, but he refused his captors’ offer because he honored the POW code: first in, first out. Years later, he displayed characteristic largess of spirit by advocating reconciliation with his torturers.

McCain’s support for normalizing relations with Hanoi was just one example of the character that he displayed not just as a prisoner of war but also as a politician. In 2008, he corrected a woman at a rally who told him, “I can’t trust Obama. I have read about him and . . . he’s an Arab.” “No ma’am,” McCain replied. “He’s a decent family man, a citizen that I just happen to have disagreements with on fundamental issues, and that’s what this campaign is all about.” How easy would it have been for McCain to traffic in conspiracy theories and demagoguery. But he refused — and his refusal, along with his own missteps (notably the selection of Sarah Palin as his running mate) may have cost him the presidency.

McCain’s passing, tragic at any time, is all the sadder now. His dedication to America’s global leadership, advocacy for human rights, steadfast opposition to despots, devotion to bipartisanship, willingness to break with his own party, insistence on putting the nation’s interest above self-interest, and, above all, his unwavering sense of right and wrong — all are desperately needed at a time when his party has embraced an amoral, narcissistic demagogue who fawns over tyrants and flirts with isolationism and protectionism and white nationalism. Trump hated McCain and insulted him at every turn because McCain was everything Trump is not — and everything that we need in our politics today but tragically lack.